Dorothea Duhme

„Ich war so glücklich und zu jeder Sekunde voll im Vertrauen“

Um 23.00 Uhr habe ich mich ins Bett gelegt und konnte nicht einschlafen.

Mein Bauch wurde immer wieder hart und es tat leicht weh. Ich hab mir aber gedacht es sind sowieso Senkwehen und ich brauche mich nicht freuen.

Um 0:30 bin ich aufgestanden und wollte Pipi machen, auf dem Weg lief es an mir herunter. Ich wusste eigentlich sofort, dass die Fruchtblase geplatzt ist. Aber irgendwie war ich mir plötzlich unsicher und hab nochmal gewartet bis noch ne Ladung kam 😅

Dann hab ich meinem Mann Bescheid gesagt und der wollte noch etwas schlafen 😁

Ich bin runter gegangen, hab alles vorbereitet, meine Kerzen angemacht, das Sofa mit Decken bedeckt, mir zu Trinken geholt und mich dann auf die Couch gelegt um auf meine Wehen zu warten. Könnte 24 Stunden dauern hab ich gelesen, also schauen wir mal ….

Um 01:18 kam die erste. Die war aber gut auszuhalten. Um 01:24 dann die zweite. Okay - alle fünf Minuten. Das ging ja jetzt doch flott.

Ich hab dann meine Mama angerufen damit sie Samuel abholt. Dann hab ich Dorothea angerufen.

Die Wehen kamen alle 3-5 Minuten und ich musste sie schon veratmen und vertönen.

Samuel ist aufgewacht und hat mich gesucht und geweint und gesagt Amilia soll nicht kommen und ich soll mich zu ihm legen 😅 ich hatte kurz Angst, dass sie sich durch seine Aussage plötzlich entschließt nicht zu kommen 😄

Habe ihm schnell in der Wehenpause erklärt, dass das nicht geht und bin wieder runter gegangen um meine Wehe ungestört zu veratmen.

Um halb 3 kamen Mama und Dorothea. Mama hat Samuel angezogen, ihm versprochen, dass er einen Schokokuchen am nächsten Tag bekommt und mitgenommen.

Die Wehen wurden immer heftiger und ich konnte sie kaum mehr ertragen. Ich konnte auch während der Eröffnungsphase nur laufen und während der Wehe musste ich mich mit meinem Kopf gegen meinen Mann drücken und laut tönen. Der Schmerz war wirklich unerträglich. Teilweise habe ich ganz verrückt geatmet und geschrien, weil ich unter keinen Umständen wollte, dass mein Kiefer sich verkrampft. Ich wusste, dass wird den Muttermund negativ beeinflussen.

Irgendwann hab ich mich dann übergeben und Dorothea hat sich gefreut und meinte, dass sei ein gutes Zeichen für die Öffnung des Muttermunds.

Die Eröffnung ging wirklich schnell, es war wie eine Powereröffnung innerhalb einer Stunde war der Muttermund vollständig geöffnet. Für mich konnte das ganz klar nur passieren, weil ich zu Hause war, mich sicher und wohl gefühlt habe und mir niemand aufn Keks ging mit CTG usw.

Um 3:15 kam ich dann in die letzte Phase der Geburt. Ich hatte unglaublichen Druck und hab gerufen dass ich jetzt unbedingt 💩 muss 😄 Habe meinen Mann dann in die Küche geschickt, seine Anwesenheit hat mich irgendwie total gehemmt und dann hab ich einfach auf eine Unterlage gemacht.

Dorothea hat alles sofort weggeräumt. Ein Teil der Geburt den irgendwie jeder weglässt 😂

Der Pool war dann bereit, ich war erst unsicher ob ich überhaupt rein will, hab mich dann aber doch dafür entschieden. Ich hab mich dann irgendwie rasend schnell ausgezogen und bin in den Pool gestiegen. Dann kam mein Mann auch wieder ins Wohnzimmer zurück und setzte sich auf die Couch vor mich.

Im Pool war ich dann im Vierfüßler und konnte auch absolut keine andere Position einnehmen. Alle 3 Minuten kamen Wehen bei denen ich mitschieben musste. Eine Stunde verging und es tat sich einfach irgendwie nichts. Innerlich hatte ich irgendwie Angst den Kopf wirklich zu gebären. Ich hatte das Gefühl, ich hätte nicht genügend Kraft für diesen Akt. Nach vier Mal mitschieben bei jeder Wehe blockierte ich mich jedes Mal selbst und verlangte von meinem Körper eine Pause.

Ich hab mich gefragt wie ich das schaffen soll? Wie zum Kuckuck soll da ein Kopf rauspassen??

Das Trauma der ersten Geburt holte mich auch ein, die Angst war unterbewusst doch stärker als ich ahnte.

Irgendwie schien mir das ganze plötzlich absolut absurd 😄

Ich konnte in dieser Phase auch irgendwie weder tönen noch ordentlich atmen. Ich wollte einfach nur pressen. Ich war sehr still und in mich gekehrt. Habe versucht sehr auf mein Körpergefühl zu hören und nicht wild zu pressen. "Du schaffst das verdammt nochmal du bist dafür geboren es haben soviele vor dir geschafft und du schaffst das auch" ich versuchte mich die ganze Zeit zu motivieren. Mein Mund sagte: "ich schaff das nicht, ich kann nicht mehr".

Der Druck nach unten wurde immer stärker und ich spürte, dass der Kopf schon am Ausgang war. Das motivierte mich unglaublich!

Mein Mann sagte mir dann "Schatz, Knie nach innen damit dein Becken sich öffnet" und ich war so glücklich, dass ihm das noch eingefallen ist, weil sich dadurch wirklich was verändert hat.

Der Kopf steckte plötzlich teilweise in meiner Vagina, es fühlte sich an wie ein kleiner Ping Pong Ball…. dann kam keine Wehe mehr. Wieder warten…. Endlich eine Wehe und ich presste wieder mit, der halbe Kopf war draußen. Und wieder keine Wehe mehr 😭😭 omg, "was soll das???" dachte ich mir …. Wieder fünf ewig lange Minuten. Ich wollte aber nicht pressen ohne Aufforderung meines Körpers. Ich wollte auch unbedingt dass mein Damm heile bleibt. Also warten! Endlich kommt die Wehe, es zerreißt mich irgendwie und dann hab ich es geschafft, der Kopf ist geboren. Wieder keine Wehen mehr, ewig lang hat es gefühlt gedauert bis noch eine Wehe kam und ich mit Hilfe von Dorothea den Körper gebären durfte. Die Nabelschnur war unglaublich kurz und Amilia hatte sie um ihre Schulter und dadurch wurde sie blockiert rauszukommen. Dorothea hat sie zur Seite geschoben und so konnte sie geboren werden.

Omg. GESCHAFFT!

Sie schwimmt im Wasser und ich nehme sie schnell raus, sie atmet nicht und wirkt leblos. Ich habe das schon oft in Videos gesehen und machte mir keine Sorgen. Ich wusste auch, dass Babys bei Wassergeburten später atmen.

Dorothea sagte mir dann, dass die Nabelschnur sehr kurz ist und irgendwie abgeklemmt war, sodass sie nicht soviel Sauerstoff bekommen hat. Dann fing die Nabelschnur aber wieder an zu pulsieren und Amilia öffnete ihre Augen und schaute mich ganz neugierig an 😍

Ihr Körper war etwas blass, durch den Sauerstoffmangel. Der Kopf war aber gut durchblutet und alles war im grünen Bereich.

Ich war so glücklich und zu jeder Sekunde voll im Vertrauen dass es meinem Baby gut geht.

Die Nabelschnur pulsierte relativ schnell aus und wir trennten sie, damit die Plazenta geboren werden konnte. Mir war es irgendwie unmöglich sie zu gebären während Amilia noch dran war weil sie einfach viel zu kurz war.

Ich hätte sie eigentlich gerne länger dran gelassen, aber ich hoffe sie hat alle wichtigen Nährstoffe erhalten 🥺🙏

Es kamen weitere Wehen und ich hatte echt keine Lust mehr 😄 ich hab doch grad erst dieses Wunder auf die Welt gebracht, ich mag nicht mehr..

Ich hab dann ganz ganz sanft an der Nabelschnur gezogen um zu sehen ob die Plazenta nun raus möchte und tatsächlich kam sie einige Sekunden später. Juhu. Geburt vollständig vollendet.

Amilia wurde dann sofort an meine Brust angelegt 🥰 sie wollte aber nicht trinken. Dann hab ich sie meinem Mann gegeben damit ich aus dem Pool raus aussteigen konnte. Mir war unglaublich kalt und ich hab wie verrückt gezittert. Ich wurde abgetrocknet und ganz schnell in eine Decke gepackt. Dann konnten wir weiter kuscheln 🥰

Erst nach einer Stunde wurde Amilia kurz gemessen und gewogen und mir dann schnell wieder gegeben.

Es war definitiv keine magische, schmerzarme Traum-Geburt, aber es war wirklich eine sehr kurze Geburt mit gerade Mal 3 Stunden, ohne Verletzungen und ohne Interventionen. Ich bin so glücklich, dass ich mich für diesen Weg entschieden habe und würde es niemals anders machen 🙏🙏

Es gibt nichts was ich in irgendeiner Weise verändern würde, weder meine Vorbereitung, noch den Geburtsablauf noch die Menschen die anwesend waren ❣️ ich wünsche jeder Frau, dass sie auch so selbstbestimmt, voller Vertrauen und so schnell gebären darf✨ Es liegt in deiner Hand 🤍

Anita 💫

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